Parallelogram

miroirs noirs

Vorwort | Besetzung | Uraufführung
Vorwort
Im seidenmatten Schwarz einer planen Oberfläche tummeln sich Gesten und Bewegungen wie verirrte Nachtfalter an einer Glaswand. Es sind fahle Formen ohne Kontur, deren Umrisse sich nur als Schatten erahnen lassen. Die Silhouetten jener zerspiegelten Objekte, welche davor im Obskuren verharren, vermitteln eine Ahnung ihrer eigentlichen Gestalt, einer unscharfen Erinnerung gleichend.
In »miroirs noirs« begegnen wir diesen verschwommenen Echos in vielen Momenten. Figuren, die unmittelbar zurückgeworfen werden erscheinen näher, während das Gegenbild längerer Prozesse erst im Lauf der Zeit erkennbar wird.

Ich wollte in meinem Werk eine Perspektive der Erinnerung schaffen. Gleichzeitig formt sich aus dem Meer verflossener Gesten und Fragmente ein Strom, dessen Flusslauf einem vorgezeichneten dramaturgischen Plan folgt. Markant stürzt das Stück am Zenit einer langen eruptiven Phase in sich zusammen, noch bevor es seine Mitte überschreitet.

In den weiteren Abschnitten nimmt das Stück mehrmals den zum Gipfel weisenden Kurs wieder auf, verliert jedoch unaufhaltsam an Höhe. Durch die Gedanken aus dem Vergangenen geprägt und zerrieben in den Katarakten der Zeit steuert es unentwegt einem finalen Tiefpunkt zu: Inmitten einer Wüste aus Staub versiegt der Strom im Ästuar seiner Erinnerungen.

»miroirs noirs« entstand zwischen Jänner und Juni 2016. Das Stück ist selbst ein unscharfes Gegenbild zu meinem Werk »Échos éloquents«, welches parallel zu »miroirs noirs« entstand. Beide Werke schöpfen ihr Material, wie zwei verschwisterte Vulkane, aus einer Magmakammer.
ChR, E‘16
Uraufführung
31. Oktober 2016
Wiener Konzerthaus | Berio-Saal
Klangforum Wien
Clement Power, Dirigent
Pei Ju Tsai, Pipa
Im Rahmen des Konzerts »Der Klang nach Seide – Wien 2016«
Besetzung
Flöte
Klarinette in B (auch Bassklarinette in B)
Horn
Schlagwerk (1 Spieler)
Klavier
Pipa
Erhu
Violine
Viola
Violoncello